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BRAUNSCHWEIG 01/2014


DAS HAUS

verschiedene Arbeiten in einem verlassenen Haus




01-02 Zufall und Intervention
03-04 Fragiler Raum
05-06 Insektenhotel
07 Fotos und Struktur
08 Fundstück//Readymade

Die kuriose Geschichte...

Während meines Architektur-Studiums entdeckte ich in meiner Straße ein verlassenes Haus.
Ich machte es mir zur Gewohnheit in meinen Arbeitpausen dort hinüber zu gehen und Fundstücke
zu sammeln und zu arrangieren. Das machte mir ungeheure Freude und gab mir die nötige Energie,
um wieder zurück an die Arbeit zu gehen. Bald brachte ich eigene Materialien, wie Fotos, Modellbau
-Relikte und Materialproben mit und erarbeitete kleine Installationen.
Als eine Stegreif-Aufgabe im Rahmen eines Moduls aufgegeben wurde, entschied ich mich kurzer Hand,
eine reale Raumarbeit zu entwickeln, statt eines Modells oder einer digitalen Animation. So entstand
der "fragile Raum" aus 4 Packungen Klopapier.
Ab und zu schienen auch andere Menschen sich in das Haus zu verirren und hinterließen mir Nachrichten.
Eines Tages erhielt ich den Anruf eines Freundes, der von einer Gruppe Kunststudierender erfahren hatte,
dass sie sich in einem verlassenen Haus voller Kunst befänden. Sofort lief ich die Straße hinunter, um
zu schauen, was dran war - und fand tatsächlich eine Gruppe angetrunkener fröhlicher Leute in einem der
Räume vor, in dem vorige temporäre Nutzer Sitzgelegenheiten zurückgelassen hatten. Die Gruppe war völlig
begeistert, nicht nur diesen Ort so unverhofft entdeckt zuhaben, sondern auch gleich die Urheberin mit
dazu. Wir saßen also eine Weile dort zusammen und unterhielten uns, doch bald kippte die Stimmung, da
immer mehr Leute zu dieser kleinen illegalen Party dazustießen. Eine von ihnen begann im Rausch
meine Arbeiten zu zerrupfen. Ich konnte sie nur schwer davon abbringen. Die Krönung war schließlich,
als sie - im Dunkeln, unwissend, wo sie sich befand - in den "fragilen Raum" auf das Klopapier urinierte.
Eine derart absurde und dennoch unverhofft geniale Intervention für eine Klopapier-Installation!

Am nächsten Tag wollte der Initiator der Gruppe seinem schlechten Gewissen Abhilfe verschaffen,
indem er im Haus wieder Ordnung herstellte, soweit noch möglich. Doch es kam anders: Jemand hatte
die Polizei alarmiert und er wurde von dieser aufgegriffen und wegen Vandalismus und Hausfriedensbruch
angezeigt.
Damit war das Ende des Hauses besiegelt. Es gab nur ein Problem: Ich musste noch einmal hinein, um die
letzten Arbeiten zu dokumentieren, um meine Mappe für meine Bewerbung an der Kunsthochschule fertig zu
stellen. Einige Tage später schaffte ich es unentdeckt noch einmal ins Haus zu gelangen. Bereits am
nächsten Tag, als ich die Mappe zur Abgabe brachte, sah ich, wie ein Entrümpelungteam meine Überreste
aus dem Fenster warf. Das Haus wurde mit Backsteinen verschlossen und wartete mehrere Jahre auf seine
Wiederbelebung. Heute ist es eine Event-Location.